Sonntag, 14. Januar 2018

[❤buch] Pam Smy - Thornhill


 Thornhill 
Autorin: Pam Smy
Genre: Jugendliteratur, Graphic Novel
Sprache: Englisch
Seiten: 533
Verlag: David Fickling Books
bisher keine deutsche Veröffentlichung


Die 13jährige Ella zieht mit ihrem Vater in ein neues Haus. Gegenüber liegt ein ehemaliges Waisenheim - das Thornhill Institute for Children. In der Nacht geht dort ein Licht in einem Fenster auf und ein gleichaltriges Mädchen taucht ab und zu im verwilderten Garten auf, was Ellas Neugier weckt. Welche Geheimnisse verbirgen sich in dem verlassenen Gebäude?

***

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man das Buch als Graphic Novel bezeichnen kann. Denn zur Hälfte besteht es aus Illustrationen und zur Hälfte aus Roman.

Ellas Geschichte wird durch die Illustrationen erzählt. Ein Kalender verrät uns, dass es März 2017 ist und dass sie mit dem Leeren der Umzugskartons beschäftigt ist. Es wird deutlich, dass sie über den Umzug eher unglücklich ist.


Nach einigen Seiten kommt der Tagebucheintrag eines Mädchens namens Mary, datiert auf den 9. Februar 1982. Sie schreibt darüber, dass ihre  Feindin - von ihr nur als "sie" bezeichnet - zurück ist und dass sie sich lieber in ihrem Zimmer einschließen würde als "ihr" zu begegnen. Es stellt sich heraus, dass die beiden zu den Mädchen gehören, die auf Thornhill leben. Das Waisenhaus soll bald geschlossen werden und es wird sich bemüht, die Kinder an Pflegeeltern oder in anderen Heimen zu vermitteln.

Ellas und Marys Perspektive werden abwechselnd erzählt. Langsam ist auch ein roter Faden zwischen den verschiedenen Zeitebenen erkennbar.


Marys Tagebucheinträge habe ich schnell verschlungen. Sie ist ein depressives Mädchen, dem das Sprechen schwer fällt und keine Freunde hat. Die anderen Mädchen im Heim machen sich oft über sie lustig und auch die Erzieher empfinden sie eher als Problemkind. Nachts wird sie von einem unheimlichen Klopfen an der Tür terrorisiert. Die einzige Freude bereitet ihr das Hobby, Puppen zu basteln, die sie als Freunde ansieht. Ich habe schnell Sympathie für das einsame, verzweifelte Mädchen empfunden. Sie identifiziert sich mit ihrer Namensvetterin Mary aus „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson-Burnett - es gibt mehrere Referenzen zu dem Roman sowie zu Charlotte Brontës „Jane Eyre“, was ich schön finde (und mir ist jetzt gerade aufgefallen, dass Thornhill eine Anspielung auf das Thornfield Hall, wo Jane als Gouvernante arbeitet, ist...).

Das Buch hat ein tolles düsteres Hardcover, das mich gleich angesprochen hat, obwohl ich keine Ahnung hatte, worum es darin geht. Generell mag ich den Stil der Autorin - das ist übrigens ihr Debütwerk - und die Geschichte um Ella und Mary hat mir sehr gut gefallen, auch wenn man vielleicht mittendrin schon ahnen kann, auf welches Ende das Buch zusteuern könnte.

„Thornhill“ von Pam Smy kann ich also wärmstens allen Fans der modernen Schauerliteratur empfehlen, mich hat es jedenfalls schnell in seinem Bann gehabt und ich habe das Buch gleich in einem Rutsch durchlesen müssen.

Nur ein Punkt bereitet mir Bauchschmerzen. Die Zielgruppe des Buches. Laut New York Times ab 10 Jahren aufwärts. Bei Amazon 12-15 Jahre. Natürlich kann ich verstehen, dass die Geschichte auch jüngere Bücherwürmer, die sich auch mal richtig gruseln wollen, ansprechen kann, schließlich sind die Protagonistinnen 13 Jahre alt und haben Probleme, die andere in diesem Alter gut kennen - ein großes Identifikationspotenzial ist vorhanden. Aber ich finde einen Aspekt des Buches nicht gerade passend für Zehnjährige, da der Tod hier auch als Lösung für ein Problem präsentiert wird - ohne dass eine moralische Stimme irgendwie deutlich wäre.

Wie klingt das Buch für euch?

1 Kommentar:

  1. Da ist er also, der Artikel zu dem nicht unproblematischen Buch, über das wir uns neulich unterhalten hatten. Im Großen und Ganzen klingt es ja wirklich nach einer Geschichte für Jüngere, gerade wegen so typischer Elemente (Waisenkinder waren/ sind ja in Literaturgeschichte immer wieder beliebte Figuren bzw. das Thema, ohne Eltern aufzuwachsen). Den Punkt mit dem Suizid finde ich aber auch bedenklich. Natürlich sind 15-Jährige reifer, reagieren darauf weniger emotional als 10-Jährige. Aber das Buch wird ja nicht nur 15-Jährigen angeboten, sondern, wie du beschreibst, auch 10- oder 11-Jährigen. Da kann so etwas schon noch verstörend sein. Aber selbst bei 15- oder auch 17-Jährigen finde ich es nicht unproblematisch, Suizid als "Lösung" darzustellen. Ich finde es wichtig, dass das Thema in Jugendbüchern aufgegriffen wird, aber dann muss auch irgendwie deutlich werden, dass das eben alles andere als eine Lösung ist, ansonsten wird Suizid romantisiert wie schon bei "Romeo und Julia" oder ähnlichen älteren Geschichten.

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