Montag, 20. November 2017

[ano hito] Ujō Noguchi, Dichter

ano hito (dt. jene Person) ist eine kleine Reihe, in der ich eine(n) Japaner(in), dessen/deren Biografie/Werke/etc. ich interessant finde, ein wenig näher vorstellen möchte. Auch Nichtjapaner, die einen besonderen Bezug zu Japan haben, werden ebenfalls vorgestellt. ^_____^

 Ujō Noguchi (1882-1945) 

Ujō Noguchi ist in Japan ein bekannter Dichter und Liedermacher von Kinderliedern.

Ujō Noguchi wurde am 29. Mai 1882 als Eikichi Noguchi in der Ibaraki-Präfektur geboren. In der Oberschule fing er an, die ersten Haiku zu schreiben, eine Leidenschaft, die er auch im Studium an der Toukyou Senmon Gakkou (heute Waseda-Universität) in Tokio fortsetzte. Schließlich brach er das Studium nach nur einem Jahr ab, um sich ganz der Lyrik widmen zu können.

Der Tod des Vaters zwang ihn jedoch in seine Heimatstadt zurückzukehren, um sein Geschäft zu übernehmen. Als ältestes Kind der Familie war er somit das neue Familienoberhaupt und daher wurde für ihn eine Ehe arrangiert. Eikichi Noguchi heiratete 1904 die gleichaltrige Hiro Takashio - eine Bankierstochter. Die Ehe, aus der drei Kinder entsprangen, von denen eins kurz nach der Geburt verstarb, war für beide früh zum Scheitern verurteilt. Eikichi Noguchi verfiel dem Alkohol und ging seiner Leidenschaft für die Lyrik nach. Er gründete eine Dichtergruppe und nahm dort den Künstlernamen "Ujō Noguchi" an. Bald darauf konnte er seine ersten Gedichte veröffentlichen, aber sie brachten ihm nicht den gewünschten Erfolg.

Mehrere Versuche, das Geschäft seiner Eltern wiederzubeleben, um an Geld zu kommen, schlugen fehl, da er als Geschäftsmann nicht sonderlich begabt war. Zwischen 1906 und 1909 arbeitete er als Zeitungskorrespondent in Sapporo, um über die Runden zu kommen. 1915 erfolgte die Scheidung von Hiro in beidseitigem Einverständnis und Ujō Noguchi bekam das Sorgerecht - wie es nach den damaligen Gesetzen üblich ist - für die zwei Kinder zugesprochen. 1918 heiratete er Tsuru Nayazato, mit der er einen weiteren Sohn bekam.

1919 veröffentlichte Ujō Noguchi die Lyriksammlung Tokai to Den'nen (Stadt und Land), die ihm die gewünschte Anerkennung einbrachte. Im neugegründeten Magazin „Kin no fune“ (Goldenes Schiff) konnte er eine Reihe von Kinderliedern veröffentlichen. Er tat sich oft mit den bekannten Komponisten Shinpei Nakayama (1887-1952), Nagayo Mōtori (1885-1945) und Kiyomi Fujii (1889-1944) zusammen - mit ihnen konnte er viele klassische Lieder erschaffen, die bis heute bekannt sind. Später reiste er durch Japan, um Stücke zu schreiben, die in einer bestimmten Region angesiedelt sind.

Ujō Noguchi starb am 27. Januar 1945 im Alter von 62 Jahren in Utsunomiya in der Tochigi-Präfektur, wohin er während der Bombenangriffe in Tokio evakuiert wurde.

Ich möchte euch gerne zwei seiner in Japan sehr bekannten Kinderlieder mit interessanten Hintergrundinformationen vorstellen. ^____^

 Shabondama (Bubbles) 
shabondama tonda
yane made tonda
yane made tonda
kowarete kieta


shabondama kieta
tobazu ni kieta
umarete sugu ni
kowarete kieta


kaze kaze fukuna
shabondama tobaso
One bubble flies up.
To the roof it flies,
up to the roof it flies.
Now it's burst and has vanished.

A bubble vanished,
No flying, it has disappeared,
Right away, after its birth,
it has burst and has vanished.

Wind, wind, please don't blow!
We want to see our bubbles fly.
zum Video des Liedes „Shabondama“

Das Lied entstand 1922 in Zusammenarbeit mit Shinpei Nakayama. Bezüglich der Entstehung des Liedes gibt es viele Theorien. Die bekannteste ist jedoch, dass Ujō Noguchi eines Tages Mädchen beim Spielen mit Seifenblasen zugeschaut hatte und sich dabei an den frühen Tod seiner Tochter Midori erinnert fühlte, die nur acht Tage lang lebte. Das Lied traf einen Nerv bei der japanischen Bevölkerung in jener Zeit. Die Kindersterblichkeit war damals sehr hoch, man hatte sich gerade von der Spanischen Grippe (1918-1920) erholt und einige Monate, nachdem das Lied veröffentlicht wurde, forderte 1923 das große Kantō-Erdbeben fast 150000 Todesopfer.


 Akai Kutsu (Red Shoes) 
akai kutsu haiteta onna no ko
ijinsan ni tsurerarete icchatta

Yokohama no hatoba kara fune ni notte
ijinsan ni tsurerarete icchatta

ima dewa aoi me ni nacchatte
ijinsan no okuni ni irundaro

akai kutsu miru tabi kangaeru
ijinsan ni au tabi kangaeru
A young girl with red shoes,
gone far away with a foreigner.

She rode on a ship from Yokohama pier,
gone far away with a foreigner.

I imagine right now she has become blue-eyed, living in that foreigner's country.

Every time I see red shoes, I think of her.
Every time I meet a foreigner, I think of her.
zum Video des Liedes „Akai Kutsu“

Das Lied entstand 1922 in der Zusammenarbeit mit Nagayo Motoori. Es basiert auf einer angeblich wahren Geschichte über ein Mädchen namens Kimi Iwasaki. Kimi Iwasaki wurde 1902 in der Shizuoka-Präfektur geboren, wo sie von ihrer Mutter allein großgezogen wurde. Später heiratete ihre Mutter einen Mann und zog mit ihm nach Hokkaido. Allerdings stellte sich das Bauerleben als schwierig aus und sie hatten Probleme, ihre Kinder zu ernähren. Kimi wurde einem amerikanischen Missionarspaar anvertraut und beim Abschied soll ihre Mutter ihr rote Schuhe geschenkt haben. Das Ehepaar Hewitt wollte später nach Amerika zurückkehren und Kimi mitnehmen. Allerdings hatte das Mädchen Tuberkulose bekommen und die Hewitts mussten Kimi in einem Waisenhaus in Tokio zurücklassen, wo sie 1911 verstarb. Es heißt, Kimis Mutter erfuhr nie, was mit ihrer Tochter passiert ist und glaubte zeitlebens, dass sie in den Staaten ein schönes Leben führen würde.


Habt ihr schon mal (etwas) von Ujou Noguchi gehört?
Wie findet ihr die Lieder?
^___^

|| Meine [ano hito] Reihe: Machiko Hasegawa | Misuzu Kaneko | Midori Naka | Megumi Yokota | Lafcadio Hearn (Yakumo Koizumi) ||

Kommentare:

  1. Konnichi wa, Hotaru.

    "Es bleibt die kindliche Hoffnung, die wir nie vergessen wollen sollten."
    (Florance Ippdit)

    Mir fiel bei den Hintergründen zu beiden Liedern ein, daß das Leben per se schon viel zu viele Unglücke bereit hält; nur einer von tausend Gründen, warum Menschen ihrerseits darauf verzichten sollten.

    Allerdings scheint für manche das Leid andere Stimulus zu sein.

    Übrigens, arigatou gozaimasu für Deine Rubrik.

    bonté

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    1. Das ist wohl wahr...

      Freut mich, dass dir meine Rubrik gefällt. :)

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  2. Noch ein literarisches Kleinod, das ich Dank Dir entdecken durfte - und weil mir Dein Blog so gut gefällt, habe ich Dich nominiert.

    https://blaupause7.wordpress.com/2017/12/02/aus-heiterem-himmel-blogger-recognition-award/

    LG
    Ulrike

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