Dienstag, 6. Juni 2017

[ano hito] Machiko Hasegawa, Mangaka

ano hito (dt. jene Person) ist eine kleine Reihe, in der ich eine(n) Japaner(in), dessen/deren Biografie/Werke/etc. ich interessant finde, ein wenig näher vorstellen möchte. ^_____^

     Machiko Hasegawa (1920-1992) 

    Machiko Hasegawa gehörte in Japan zu den ersten Mangazeichnerinnen. Sie wurde am 30. Januar 1920 in der Saga-Präfektur im Süden Japans geboren. 1934 zieht ihre Familie nach Tokyo, wo Hasegawa mit 14 Jahren ihr Debüt als Mangaka mit ihrem Werk „Tanuki no Men“ für das Magazin Shoujo Kurabu feierte. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie mit ihrer Familie zurück in den Süden Japans - in die Fukuoka-Präfektur - evakuiert.

    Den großen Erfolg erreichte sie mit ihrem Yonkuma-Manga (4-Panel-Comicstrip) „Sazae-san“, der von 1946 bis 1974 lief. Zuerst wurde „Sazae-san“ in einer Lokalzeitung veröffentlicht, bis die Asahi Shimbun - eine der größten Zeitungen Japans - auf das Werk aufmerksam wurde. Daraufhin zog Machiko Hasegawa zurück nach Tokyo. Insgesamt wurden 6477 Yonkuma-Manga von „Sazae-san“ veröffentlicht. Ab 1969 wird „Sazae-san“ als Anime ausgestrahlt und bis heute werden immer neue Folgen produziert. Inzwischen gibt es etwa 7600 Folgen. Der Anime besitzt daher den Weltrekord für die am längsten laufende Animeserie.

    Machiko Hasegawa starb am 27. Mai 1992 im Alter von 72 Jahren. Es gibt in Tokyo das Machiko Hasegawa Museum, das ihr und ihrem Werk aber auch ihrer eigenen Kunstsammlung gewidmet ist.

    Worum geht es eigentlich bei „Sazae-san“?
    Viele von Ihnen haben vielleicht schon von mir gehört. Ich bin eine junge Hausfrau, die in der Stadt lebt, und da ich recht schusselig bin, sorge ich oft bei meinen Nachbarn für ein Lächeln. Mein Mann ist Masao Fuguta und unser kleiner Sohn ist Tarao (den wir einfach Tara-chan nennen). Da es schwierig ist eine Wohnung zu finden, wohnen wir zusammen mit meiner Familie, die Isonos. Neben meinen Eltern gibt es da noch meinen frechen kleinen Bruder Katsuo und meine Schwester Wakame, die sechs Jahre alt ist, was uns zu einer großen siebenköpfigen Familie macht. Ich hoffe, Sie genießen all die lustigen Sachen, die in dieser lebhaften Familie passieren.

    So stellte sich Sazae vor der Erstveröffentlichung des Manga in der Asahi Shimbun im Jahr 1949 vor.

    Machiko Hasegawa wollte ihre Protagonistin als eine Frau darstellen, die nicht dem traditionellen Frauenbild der Vorkriegszeit (gute Ehefrau, weise Mutter) entsprach. Sazae ist zwar Hausfrau, aber eine, die selbstbewusst ist und das Herz auf dem rechten Fleck hat. So war sie das Vorbild der jungen Japanerinnen jener Zeit. Für viele Frauen bzw. angehende Mangazeichnerinnen war aber auch Machiko Hasegawa selbst eine Inspiration. Sie konnte sich als Frau in der von Männer dominierten Mangabranche durchsetzen.

    „Sazae-san“ verschaffte den Japanern, die mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges wie Lebensmittelknappheit zu kämpfen hatten, eine willkommene Gelegenheit zum Lachen und Schmunzeln. Die Alltagsthemen in „Sazae-san“ waren immer nahe an der Realität angelegt. Am Anfang der Reihe war Lebensmittelknappheit ein großes Thema, während in den nächsten Jahren während des japanischen Wirtschaftswunders in den 50ern/60ern technische Errungenschaften und Emanzipation eine Rolle spielten. Die Reihe, die bis in den 70ern veröffentlicht wurde, hinterlässt heute bei vielen älteren Japanern ein nostalgisches Gefühl an die „gute alte Zeit“.


    Sazae mit ihrer kleinen Schwester Wakame
    Sazae mit ihrer Familie (Ehemann Masao ist nicht dabei)

    Ich habe mir kürzlich drei „Best of Sazae-san“-Bücher zugelegt, in zweisprachiger Version (eigentlich für Japaner, die Englisch lernen wollen, gedacht). Ich mag den Humor ganz sehr, leicht verständlich und ich würde auch behaupten, dass man den hier im Westen auch gut verstehen könnte. Meine Mutter, mit Japan nichts am Hut, fand vieles jedenfalls sehr lustig. Der heimliche Star des Manga ist für mich jedenfalls Sazaes kleiner Bruder Katsuo, der gern zu Streichen aufgelegt ist, mit denen er Sazae gerne blamiert.

    Ein Fun Fact am Rande: In Japan gibt es übrigens den Begriff „Sazae-san-Syndrom“. Da der Anime immer streng sonntagabends von 18:30 bis 19:00 im Fernsehen ausgestrahlt wird, bezeichnet der Begriff die latent depressive Stimmung am Sonntagabend, wenn man realisiert, dass das Wochenende zu Ende ist und der nächste Tag... ein Montag ist. (Ja, ja, das Gefühl kennen wir alle nur zu gut, was? ^___^)

    Kommentare:

    1. Von den Sazae-san Strips und Hasegawa habe ich auch mal gelesen als ich mich versucht habe mit der Geschichte des Manga zu beschäftigen. Ich muss gestehen, dass ich es etwas ernüchternd fand, dass die erste weibliche Manga-ka über solche Alltagsgeschichten, Hausfrauenerlebnisse etc erzählt. Aber als ich mir mal welche angeschaut habe, fand ich die Comic Strips schon sehr schön entlarvend. :)

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      1. Ja, mich erinnern die Strips auch an Loriot, den ich sehr mag :)

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