Mittwoch, 4. Januar 2017

[❤film] Das brandneue Testament


 Das brandneue Testament 
LE TOUT NOVEAU TESTAMENT
Belgien/Frankreich/Luxemburg, 2015
Regie: Jaco Van Dormael
Besetzung: Benoît Poelvoorde (Gott), Pili Groyne (Eá), Yolande Moreau (Frau vom Gott), Catherine Deneuve (Martine) u.v.m.

Gott existiert? Aber natürlich, er lebt mit seiner Familie in Brüssel. Gott ist ein Arschloch? Aber natürlich, er ist ein cholerischer Säufer, der seine Familie tyrannisiert und mit einer Vorliebe die Menschen quält, indem er auf seinem Computer mit verrückten Geboten ihr Schicksal manipuliert. Das Zimmer, in dem er seinen Computer hat, ist für seine Familie tabu, aber als sich seine kleine Tochter Eá einmal hineinschleicht, verprügelt er sie daraufhin. Eá beschließt sich gegen ihren Vater zu wehren. An seinem Computer öffnet sie eine verbotene Datei, die dazu führt, dass alle Menschen ihr persönliches Sterbedatum kennen. Daraufhin lässt sie den Computer abstürzen. Ihr Bruder JC rät ihr, abzuhauen und sich sechs Aposteln zu suchen. Die Flucht gelingt und Eá macht sich auf die Suche nach ihren Aposteln, mit der Hilfe eines Obdachlosen, der für sie ein neues Testament schreiben soll. 

***

"Das brandneue Testament" von Jaco Van Dormael ist eine rabenschwarze Komödie mit Fantasy-Elementen. Ich habe mich so selten amüsiert.

Es ist natürlich eine Geschichte, die das Konzept der Religion bitterböse auf die Schippe nimmt. Es wird ja oft beklagt, wie Gott es zulassen könnte, dass es hier auf der Welt so viel Unglück gibt und das wird dann u.a. erklärt, dass Gott die Menschen auf die Probe stellen will oder was weiß ich. Aber es kann auch gut sein, dass er einfach Spaß daran hat, Unglücke zu verursachen, wie im Film großartig von Benoît Poelvoorde dargestellt. Ein wirklich mieser Mistkerl, für den man wirklich keine Sympathie empfinden kann. Da stellt man sich gleich auf die Seite seiner aufgeweckten Tochter Eá.

Der Film hat seine heiteren und nachdenklichen Momente. Als die Menschen erfahren, wie lange sie noch zu leben haben, wollen sie die ihnen verbliebene Zeit für die wirklich wichtigen Dinge nutzen. (Und sei es dafür, sich mal aus dem Fenster zu stürzen, weil man ja noch viele Jahre zu leben hat.) Auf der ganzen Welt sind alle militärischen Konflikte eingestellt worden und ohne die Macht Gottes ist ein Zustand eingetreten, der dem Weltfrieden nahe ist. Wäre das nicht schön, wenn das wirklich so wäre?

Ich mag besonders die Stellen, wo Eá, die noch nie unter den Menschen gewesen ist, mehr über das Leben ihrer Aposteln erfährt. Jede Lebensgeschichte bzw. jedes Evangelium ist wunderschön und interessant erzählt worden, vom Visuellen her hat man sich hier auch viel Mühe gegeben, was ich großartig finde.

"Das brandneue Testament" ist ein kreativer Augenschmaus. Um das zu würdigen, sollte man sich dafür die Zeit nehmen. ^___^



Kommentare:

  1. Den haben wir vor über einem Jahr in der Kinovorschau gesehen, dann aber verpasst. Werden wir uns aber auf jeden Fall noch be itunes ausleihen :) Die Idee ist so klasse und im Trailer hab ich mehrfach gelacht.

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  2. Salut, Alice.
    Es gibt auch den Gedankengang, dass für manche Gott lediglich eine Entschuldigung dafür ist, sich die Welt jeweils nach dem eigenen Gusto zurecht zu reden.
    Für den Film anmerkenswert erscheint mir, dass der männlich konnotierten Allmacht die weibliche Anarchie der Freiheit gegenüber steht.

    Als Filmtip für das neue Kinojahr noch: 'The Girl With All The Gifts'

    bonte

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  3. wusste ich doch, dass ich die Frau in der Mitte (Yolande Moreau) in "Die fabelhafte Welt der Amelie" als Concierge gesehen habe.

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