Mittwoch, 10. Juni 2015

SchwarzWeißLichtSpiel #6: Freaks


Ein Horrorfilm, der viele Jahrzehnte lang verboten war...

Deutscher Titel: Freaks
Originaltitel: Freaks
Land: USA
Jahr: 1932

Regie: Tod Browning
Buch: Todd Robbins
Darsteller: Wallace Ford (Phroso), Leila Hyams (Venus), Olga Baclanova (Cleopatra), Roscoe Ates (Roscoe), Henry Victor (Hercules), Harry Earles (Hans), Daisy Earles (Frieda), Daisy und Violet Hilton (siamesische Zwillinge) u.v.a.

Obwohl Hans und Frieda, zwei Kleinwüchsige, die Teil einer menschlichen Kuriositätenshow bei einem Zirkus sind, verlobt sind, hat Hans nur Augen für die schöne Cleopatra und macht ihr Geschenke, was Frieda bedrückt. Sie merkt, dass Cleopatra Hans nur ausnutzt und sich hinter seinem Rücken lustig über ihn macht. Als Cleopatra erfährt, dass Hans ein großes Erbe erhalten hat, verfolgt sie gemeinsam mit ihrem Geliebten, dem Muskelmann Hercules, einen Plan: sie wird Hans heiraten und ihn töten, um an sein Erbe ranzukommen. Aber sie haben nicht mit dem großen Gemeinschaftssinn der "Freaks" gerechnet... beleidigst du einen von ihnen, beleidigst du sie alle.

***

Für die Rolle der "Freaks" wurden Laiendarsteller mit Behinderungen genommen, was gegen die Moralvorstellungen der damaligen Zeit verstieß: Behinderungen bzw. sogenannte Launen der Natur galten als Kuriositäten und daher wurde der Film als der Beweis gesehen, dass die Moral in Hollywood besorgniserregend gesunken war, was den Weg zum berühmt-berüchtigen Hays Code, eine Zusammenstellung von Richtlinien im Film, ebnete.

Nachdem eine Frau die Produktionsgesellschaft verklagt hat, weil sie angeblich nach einer Testvorführung eine Fehlgeburt erlitten hatte, musste der Film geändert werden. Er musste von 90 auf 64 Minuten gekürzt werden, die weggeschnittenen Footages gelten heute als verloren. Dazu wurden neue Szenen gedreht und ein Happy End eingeführt. An der Kasse wurde er ebenfalls ein Flop, viele Zuschauer verließen die Aufführungen und er erhielt schlechte Reviews. Anschließend wurde der Film für einige Jahrzehnte verboten, in manchen US-Staaten sogar bis heute. Erst in den 60ern wurde der Film wiederentdeckt und zu einem Kultfilm.

Ich mag ja alte Filme aus dem Grund, dass sie Fenster sind, durch die man in eine andere Welt, in eine andere Zeit blicken kann. Es ist seltsam für mich zu wissen, dass es früher normal war, menschliche Kuriositätenshows zu besuchen. Bis in den 90ern hinein gab es sogar in einem deutschen Freizeitpark eine "Liliputanerstadt".

"Freaks" finde ich recht sehenswert, auch wenn man merkt, dass die Darsteller Laien sind. Tod Browning wollte gern mit diesem Film zeigen, dass man sich eigentlich nicht vor den "Freaks" fürchten muss und dass schöne und normal wirkende Menschen "Freaks" sein können, aber das ist ihm leider nicht so recht gelungen. Es ist in der Tat ein Jammer, dass er so schlimm gekürzt wurde, das eigentliche Ende hätte mir sehr gut gefallen.


Bisherige Filme aus der "SchwarzWeißLichtSpiel"-Reihe:
#1: Das Dorf der Verdammten - #2: Der Fremde im Zug - #3: Manche mögen's heiß - #4: Böse Saat - #5: Was geschah wirklich mit Baby Jane?

Kommentare:

  1. Servus, Alice.
    Moralisierende Vorstellungen, wie das Leben gefälligst für alle zu sein hat, treiben die Menschen seit der einen oder anderen Ewigkeit um. Wobei man/frau nicht in die letzten Dreißiger Jahre gehen muß. Tagesaktuell plustern sich selbsternannte Rechthaber auf. Die aktuelle Schmalspurfahrten konservativer Laiendenker gegen die Ehe gleicher Geschlechter wäre jetzt nur ein spontan herausgegriffenes Thema. :-)

    Der Erfolg eines Film ist eine relative Größe - von wie vielen aktuellen Blockbustern wird in 80 Jahren noch die Rede sein?!
    'Freaks' ist es gelungen.

    bonté

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    1. Ja, da hast du Recht. Manche Dinge ändern sich wohl nie...

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