Dienstag, 17. März 2015

SchwarzWeißLichtSpiel #4: Böse Saat


Ich setze die "SchwarzWeißLichtSpiel"-Reihe mit einem feinen düsteren Film fort. ^_^

Deutscher Titel: Böse Saat
Originaltitel: The Bad Seed
Land: USA
Jahr: 1956

Regie: Mervyn LeRoy
Buch: John Lee Mahin
Darsteller: Nancy Kelly (Christine Penmark), Patty McCormack (Rhoda Penmark), Henry Jones (Leroy Jessup), Eileen Heckart (Hortense Daigle), Evelyn Vane (Monica Breedlove), William Hopper (Kenneth Penmark) u.v.a.

Die achtjährige Rhoda scheint das perfekte kleine Mädchen zu sein. Mit ihrer Charme schafft sie es alles zu bekommen, was sie möchte. Alles... bis auf eine Medaille fürs Schönschreiben, die an ihren Klassenkameraden Claude Daigle ging. Während eines Schulpicknicks wird Claude ertrunken aufgefunden. Rhodas Mutter Christine vermutet langsam, dass ihre Tochter etwas mit dem Tod des Jungen zu tun haben könnte, nachdem sie die besagte Medaille versteckt in Rhodas Zimmer gefunden hat. Langsam kommt ihr der Verdacht, dass Rhoda auch für andere plötzliche Todesfälle verantwortlich gewesen sein könnte...

***

Ich mag den Film sehr gern. Vermutlich der erste Hollywoodfilm mit einem "bösen Kind"...

"Böse Saat" basiert auf das gleichnamige Buch von William March, das 1954 erschienen ist. Später wurde das Buch fürs Theater adaptiert, wo es beim Publikum sehr gut angekommen ist. Kein Wunder, dass bald darauf ein Film folgen sollte - mit den gleichen Schauspielern aus dem Theaterstück. Allerdings wurde das Ende geändert, da es sonst gegen den Hays Code verstoßen hätte.

Der Hays Code (oder Production Code) war eine Zusammenstellung von Richtlinien zur Herstellung von US-amerikanischen Spielfilmen im Hinblick auf die moralisch akzeptable Darstellung besonders von Kriminalität und sexuellen Inhalten.

Der Code war niemals gesetzlich verankert, aber den Filmen, die gegen ihn verstießen, drohte ein von der Catholic League of Decency organisierter Kinoboykott. 1967 wurde er nach 37 Jahren abgeschafft.

Heute mag der Film natürlich recht antiquiert erscheinen, denn im Grunde passiert eigentlich nichts, es wird auch nicht präzise gezeigt, wie jemand ums Leben kommt. Der Film wird von der Körpersprache sowie von den recht fesselnden Dialogen getragen. Und Patty McCormack verkörpert die kleine Rhoda auf eine unheimlich geniale Weise. Außerdem mag ich ihre Dialoge mit Leroy, der leicht verrückte Gärtner, der als Einziger von Anfang an vermutet, dass mit Rhoda etwas nicht stimmt.

Ich finde es übrigens lächerlich, dass der Film mit dem roten FSK-Siegel ausgestattet ist - genau, ab 18 Jahren. Und das, wo es derzeit in Hülle und Fülle blutigere Horrorfilme, in denen auch böse Kinder vorkommen, gibt. Muss man nicht wirklich verstehen...


Bisherige Filme aus der "SchwarzWeißLichtSpiel"-Reihe:
#1: Das Dorf der Verdammten - #2: Der Fremde im Zug - #3: Manche mögen's heiß

Kommentare:

  1. Salut, Alice.
    Schon anmerkenswert, aber S/W-Filme, solche in Breitwand oder im legendären Technicolor wissen einen sofort in die jeweile Kinoepoche zu versetzen. Ist wie eine Zeitreise.

    Daß liebe kleine pigtail girls auch wahre Biester sein können, wollte der rechtschaffene, aufrechte Bürger Amerikas natürlich nicht so gerne wahrnehmen. Ansonsten da in der hehren Institution "Familie" etwas falsch laufen würde. :-)
    In der Hinsicht ist "Infam" (1961) fast noch der furchterregendere Film.

    Oh ja, die Kreuzzügler der Catholic League! Eine der völlig abstrusen "Richtlinien" war, daß küssende Paare stets den Eindruck zu vermitteln hatten, daß beide mit zumindest einem Fuß auf dem Boden (!) waren. Andernfalls hätte sich ja das Publikum Gedanken gemacht, was "da unten" denn gerade ablauft. :-D

    "Bis Das Blut Gefriert" wäre auch ein formidabler Titel für Deine Reihe...

    bonté

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    1. Ja, ich mag aus diesem "Zeitreisen"-Grund alte Filme sehr gern, da lernt man so viel über die "gute alte Zeit". Es mag alles fiktiv sein, aber es ist immer so schön zu sehen, was damals üblich war. Ich erinnere mich z.B. an "Das Fenster zum Hof", wo es kritisch angemerkt wurde, dass eine Frau bei einem Mann übernachten würde. :)

      Hitchcock hatte jede Menge Probleme mit diesen Richtlinien, aber ich finde es auch genial, auf welche kreative und humorvolle Weise er versucht hat, die Moralkeulenschwinger zu ärgern. Ich musste grinsen, als ich irgendwo gelesen habe, wie das Ende von "Der unsichtbare Dritte" eigentlich zu verstehen war. Den habe ich als Kind immer gern gesehen. :)

      "Infam" kenne ich gar nicht, klingt aber gut. "Bis das Blut gefriert" habe ich vor kurzem gesehen, darüber werde ich mich sicher bald auslassen.

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