Dienstag, 26. August 2014

{HistoryPorn} Es war einmal eine Kaiserin aus China...


Name: Lü Zhi
geboren:
241 v. Chr. 
gestorben: 180 v. Chr.
Herkunft: China
Position: Gemahlin des ersten Han-Kaisers Gaozu
bekannt dafür: unangenehme Personen "verschwinden" lassen

Der Grund, mir jenen Comic zu kaufen, war, dass ich mich im Vorfeld mit der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.) beschäftigt habe. Dabei ist mir die eine oder die andere Person aufgefallen, deren Lebenslauf ich beeindruckend fand. Vor allem die Geschichte der grausamen Kaiserin Lü Zhi hat mich am meisten fasziniert und ich mag sie hier gern wiedererzählen. Ich fange zuerst mit ihrem Gemahl an: Kaiser Gaozu.

Er wurde als Liu Bang in eine Bauernfamilie in der Pei-Präfektur geboren. Er war als Unruhestifter bekannt und arbeitete als Streifenpolizist. Eines Tages wurde Lü Wen, ein einflussreicher Mann, der kürzlich in die Pei-Präfektur zugezogen ist, von der Elite der Stadt besucht. Sein Assistent verkündete laut: "Die, die Geschenke im Wert von weniger als 1000 Münzen schenken, sollten außerhalb der Halle sitzen." Liu Bang ging dahin, ohne Geld dabeizuhaben. "Ich biete 10000 Münzen an." Lü Wen war darüber so beeindruckt, dass er Liu Bang sofort einlud, neben ihm zu sitzen. "Ich habe schon Schicksale für viele Menschen vorhergesagt, aber ich habe noch nie jemand Außergewöhnliches wie Sie gesehen." Darauf bot er Liu Bang seine Tochter Lü Zhi zur Frau an. Die beiden heirateten und bekamen zwei Kinder: die Tochter Yuan und den Sohn Liu Ying.

Liu Bang nahm später an der Rebellion gegen die Qin-Dynastie teil und als diese fiel, kämpfte er als "König von Han" um die Herrschaft der achtzehn Königreiche. Dies gelang ihm nach einigen Jahren und schweren Machtkämpfen. 202 v. Chr. wurde China schließlich unter seiner Herrschaft vereinigt. Liu Bang erklärte sich selbst als Kaiser von China, nannte sich fortan Gaozu und gründete die Han-Dynastie. Lü Zhi wurde von ihm als seine Kaiserin bestimmt und ihr Sohn als der Kronprinz.



Dennoch gab es im Land einige Unruhen, die Gaozu dazu brachte, die Hauptstadt Chang'an zu verlassen, um diese Gebiete mit militärischer Gewalt zu befrieden. Das Regieren überließ er daher Lü Zhi, da sein Sohn noch zu jung war. Während dieser Zeit entpuppte Lü Zhi sich als eine gute Verwalterin und sie konnte gute Beziehungen zu Gaozus Ministern aufbauen, die sie für ihr Leistungsvermögen bewunderten, aber auch ihre Unbarmherzigkeit fürchteten. Zwei einst mächtige Männer haben diese schon spüren zu bekommen:

Han Xin war ein General, der Gaozu dabei geholfen hat, die Han-Dynastie zu gründen. Als Gaozu die Stadt verließ, um eine Revolte eines gewissen Chen Xi zu beenden, hieß es, dass Han Xin daran beteiligt sein könnte. Lü Zhi entschied sich Han Xin zu sich zu rufen. Dort ließ sie ihn fangen und auf eine grausame Weise hinrichten. Auch Han Xins Familie kam unter ihrem Befehl ums Leben.

Als Gaozu versuchte, Chen Xis Revolte zu beenden, verlangte er von Peng Yue, einer seiner Generäle, Verstärkung. Dieser erklärte, er sei krank und würde seine Untergebenen zu ihm schicken. Schließlich konnte die Revolte beendet werden, aber Gaozu hörte Gerüchte, dass Peng Yue sich gegen ihm verschwören würde. Er ließ ihn verhaften und nahm ihm all seine Titel weg. Peng Yue hatte nun den Status eines gemeinen Bürgers und wurde ins Exil in eine weit entfernte Präfektur geschickt. Auf dieser Reise dorthin traf er Lü Zhi, die ihn töten lassen wollte. Er bettelte darum, sein Leben zu verschonen und ihn zurück in seine Heimatstadt zu lassen. Lü Zhi täuschte vor zuzustimmen, dennoch ließ sie ihn und seine Familie später wegen Verrat hinrichten. Die Leiche Peng Yues wurde in Stücke zerhackt, wie Fleisch gesalzt und an alle adeligen Familien in China geschickt, welche das sehr verstörend fanden.



Gaozu fing an einer seiner Konkubinen Gefallen zu finden. Sie hieß Qi und hatte einen Sohn namens Liu Ruyi, dem er den Titel des Fürsten von Zhao verlieh. Gaozu wünschte sich Liu Ruyi als seinen Kronprinzen einzusetzen, da er Liu Ying für weichherzig und schwach hielt. Seine Minister, die auf der Seite von Lü Zhi waren, waren gegen diesen Plan, doch Gaozu wollte trotzdem Liu Ying als Kronprinzen absetzen. Lü Zhi wurde besorgt und bat Zhang Liang, einen erfahrenen Strategen, um Hilfe. Dieser lud später die "Vier Haos des Shang Berges", eine Gruppe von vier weisen Männern, ein, um Gaozu zu überreden, seine Meinung zu ändern. Die vier Weisen versprachen Liu Ying in Zukunft zu unterstützen, wenn dieser einmal Kaiser werden würde. Gaozu war dann zufrieden und Liu Ying blieb Kronprinz.

Als Gaozu 195 v. Chr. starb, folgte auf ihn der fünfzehnjährige Liu Ying, der fortan als Kaiser Hui bekannt sein wird. Lü Zhi wird als Kaiserinmutter bekannt und bekam als Regentin sogar noch mehr Einfluss.

Lü Zhi behandelte Gaozus Konkubinen nach den traditionellen Regeln anständig und deren Kinder bekamen Adelstitel und Fürstentümer. Eine Ausnahme blieb jedoch Qi, die von Lü Zhi aufgrund des Streites über die Nachfolge verachtet wird. Sie setzte Qis Titel als Konkubine ab und ließ sie wie eine Gefangene behandeln. Qi trug Gefangenenkleidung, ihr Kopf wurde rasiert und sie wurde an einem Fußblock gefesselt und musste Zwangarbeit beim Mahlen von Reis leisten.

Der zwölfjährige Liu Ruyi, der im Fürstentum Zhao residierte, wurde von Lü Zhi in die Hauptstadt verlangt, mit der Absicht, ihn zusammen mit der Mutter zu töten. Doch Lü Zhis Sohn, Kaiser Hui, mochte Liu Ruyi und versuchte, den Jungen zu beschützen, indem er ihn in seiner Nähe behielt. Lü Zhi zog sich daraufhin mit ihren Plänen zurück, aus Angst, dass ihre Absichten auch dem Kaiser schaden könnte.

Zwei Jahre später ging Kaiser Hui auf eine Jagd und ließ Ruyi allein zurück, da dieser noch schlafen wollte. Lü Zhi schickte sofort einen Attentäter, der Liu Ruyi vergiften sollte. Als der Kaiser zurückkam, war der junge Fürst bereits tot. Lü Zhi ließ daraufhin Qi foltern. Qis Gliedmaßen wurden abgehackt, ihre Augen ausgestochen und ihre Ohren abgeschnitten. Dann wurde sie gezwungen, Säure zu trinken, das sie stumm machte. Anschließend wurde sie in eine Latrine geworfen und Lü Zhi nannte sie daraufhin "menschliches Schwein". Tage später wurde der Kaiser zu dem "menschlichen Schwein" gebracht und er war schockiert, als er feststellte, dass es Qi war. Der Schock setzte ihm so sehr zu, dass er das Regieren seiner Mutter komplett überließ.



Zwei der Söhne Gaozus, von Konkubinen geboren, zogen sich ebenfalls ihren Unmut zu. Liu Fei kam auf Einladung Huis zu einem von Lü Zhi veranstalteten Bankett, ohne sie davon in Kenntnis zu setzen. Lü Zhi fühlte sich dadurch beleidigt und sagte ihren Dienern, dass Liu Fei vergifteter Wein angeboten werden sollte. Hui kam jedoch hinter den Absichten seiner Mutter und schlug den Becher aus seiner Hand. Liu Fei bot an, eine Präfektur aus seinem Fürstentum an Lü Zhis Tochter, Yuan, abzutreten. Lü Zhi akzeptierte das Angebot und erlaubte ihm zu gehen.

Liu You dagegen war glücklos. Liu You heiratete Lü Zhis Nichte, aber er wurde von ihr bei einer Affäre mit einer anderen Frau erwischt. Also erzählte die Nichte ihrer Tante, dass Liu You eine Rebellion plante. Lü Zhi ließ Liu You in die Hauptstadt schicken, wo sie ihn ins Gefängnis ohne Essen stecken ließ. Liu You hatte Angst davor Selbstmord zu begehen und verhungerte daher zu Tode.



Kaiser Hui heiratete seine Nichte Zhang Yan (die Tochter von Lü Zhis Tochter Yuan) und machte sie zu seiner Gemahlin. Sie hatten keine Kinder und Lü Zhi befahl Zhang acht Jungen zu adoptieren und deren Mütter töten zu lassen.

Als Kaiser Hui sieben Jahre nach dem Tod seines Vaters starb, folgte auf ihn Kaiser Qianshao. Lü Zhi wurde als Kaiseringroßmutter bekannt. Qianshao fand jedoch später heraus, dass er nicht der Sohn seiner Mutter war und dass seine richtige Mutter hingerichtet wurde. Er sagte, dass Zhang für den Tod seiner Mutter büßen würde. Als Lü Zhi davon erfuhr, ließ sie den jungen Kaiser im Palast einsperren und öffentlich verkünden, dass dieser ernsthaft krank war und niemanden treffen könnte. Sie forderte, dass der Kaiser ersetzt werden sollte, durch Huis zweiten Sohn, der als Kaiser Houshao bekannt werden sollte. Nachdem das erfolgt war, ließ Lü Zhi Qianshao hinrichten.



Lü Zhi starb 180 v. Chr. an einer Krankheit und wurde neben Gaozu beigesetzt. Nach ihrem Tod wurde kurze Zeit später ihre Familie, der gesamte Lü-Clan, nach einem Putsch abgeschlachtet.


Das war's von Lü Zhi. Ich gebe ja zu, mich faszinieren grausame Menschen. Aber ich finde es auch interessant, dass im alten China relativ viele Frauen Macht hatten, um sich selbst zu schützen, und das auch von den Chronisten jener Zeit dokumentiert wurden. Wenn ich an die westliche Geschichte vor über 2000 Jahren denke, da fallen mir nur sehr wenige Frauen ein, die über Einfluss verfügten.

Ich liebe Geschichte und werde hier unter der Rubrik "History Porn" auf dem Blog unregelmäßig relativ unbekannte Personen oder Ereignisse der Weltgeschichte vorstellen. Ich hoffe, das interessiert den einen oder den anderen. Übrigens stammt mein Wissen aus Wikipedia und anderen Quellen - also platziere ich an dieser Stelle ein alle Angaben ohne Gewähr. ^__^

Kommentare:

  1. Endlich habe ich die Zeit gefunden deinen Beitrag zu lesen und ich bin begeistert! Ich freue mich wirklich sehr darauf in dieser Rubrik mehr zu lesen zu bekommen und finde es immer noch interessant, was damals im alten China so vor sich ging.
    Sind die Illustrationen von dir? Die passen wirklich hervorragend in den Text und halfen mir dabei den zuvor gelesenen Textblock noch einmal zu verinnerlichen (und bei den ganzen Namen zu prüfen, ob ich das richtig verstanden habe XD).
    Die Vorstellung von dem "Menschlichen Schwein" finde ich immer noch eklig. Stell dir vor du hast überall offene Wunden und dann kommst du in die Latrine. Das eitert doch alles und entzündet sich! Ganz zu schweigen von dem Säure trinken und Augen ausstechen... >____<

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    1. Danke, das freut mich ^__^

      Ja, die Illustrationen sind von mir. Ist ja manchmal ein Kreuz mit den chinesischen Namen, die sich gleich anhören. Freut mich, dass sie dir weiterhelfen konnten. :)

      Ja, die arme Qi, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sie sich dabei gefühlt haben muss. x_x

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