Samstag, 26. Mai 2012

10 Jahre Fluch und Segen


Bevor jene Zeit vor 10 Jahren, ein paar Tage vor meinem 14. Geburtstag, anfing, bestand meine Welt nur aus dem Dorf, wo ich lebe, und aus der Schule, wo ich mehr oder weniger regelmäßig hinging. Dazwischen vielleicht noch ein paar Städte zum kurzweiligen Aufenthalt, um Bücher, Zeitschriften oder Manga zu kaufen. Das war es dann auch schon und ich war damit auch ganz zufrieden.

Eines Tages kam schließlich ein Bekannter zu uns und er hatte im Namen meiner Mutter ein verfrühtes  Geburtstagsgeschenk dabei: ein 56k-Modem. Ich hatte im Vorfeld beiläufig erwähnt, dass ich gern auch mal ein bisschen im Internet surfen möchte. Ein bisschen? Dachte ich jedenfalls. In der Schule hatten wir Computer mit Internetzugang, aber ich konnte damit nichts groß anfangen. Es war nur halt nützlich, wenn man für die Schule etwas recherchieren muss. Ich Streberin...

Okay, erstmal ein E-Mail-Account bei web.de eingerichtet. Ich war schon ein bisschen stolz darauf. Und nun? Ich beschloss, die web.de-Suchmaschine mit ein paar spontanen Wörter zu quälen, um zu sehen, was für Ergebnisse rausgespuckt werden. Ah, eine Seite über Sarah Michelle Gellar gefunden bzw. eine Fanpage. Ich war damals schwer im Buffy-Wahn. Dadurch kam ich noch auf eine andere Buffy-Seite. Mh, Spoiler? Was ist das? Egal, klick ich darauf! AHHHH! Spike und Buffy knutschen miteinander rum? Und es ist nicht der Buffybot? Wie, die 6. Staffel ist in den USA schon vorbei? Mal lesen, was alles so passieren wird. Dann kam ich auf ein Forum namens Slayerboard. Da wurde mir das erste Mal bewusst, dass es in diesem Internet ja auch noch andere Menschen gibt. Neugierig las ich in vielen Threads und meldete mich auch im Forum unter dem Namen "Fallen Angel" an, weil mir nicht Besseres einfiel. Aber ich war viel zu schüchtern, um irgendwo zu schreiben, also habe ich einfach nur lieber mitgelesen und wichtige Abkürzungen wie LOL oder ROFL gelernt. Besonders angetan war ich von Fanfiction. Dass es SO ETWAS gibt! Bisher hatte ich ja meinen Computer oft zum Geschichten schreiben genutzt und einmal hatte ich auch mal über eine Sailor-Moon-Geschichte nachgedacht, mit ganz viel Bunny und Mamoru sowie Haruka und Seiya, aber irgendwie fand ich das auch bescheuert, über so etwas nachzudenken... *hüstel*
Fazit: Das Internet steckt voller Überraschungen.
Nur so am Rande: Fanfiction begann mich zu interessieren und ich schrieb einige Geschichten, die ich bei Slayerboard veröffentlicht habe. Eine Geschichte habe ich noch heute auf dem Laptop, aber die ist mir furchtbar peinlich. Als die letzte Angel-Staffel gelaufen war, interessierte mich das Forum nicht mehr so und Fanfiction ebenfalls. Aber ich lese sie gern bei anderen. Ich schreibe lieber über meine eigenen Charakteren.

Das Forum führte eine Partnerschaft mit einem Chat und diesen betrat ich Tage später. Ich muss zugeben, hier war ich auch schon recht nervös. Würde ich es schaffen, den Überblick zu behalten? Ich habe dann erstmal mitgelesen und zum Glück waren im Channel nicht so viele Leute da. "Wer will chatten?" las ich oft. Weil ich niemanden dort kannte, habe ich mich einfach mit diesen Leuten unterhalten, auch wenn sich nie eine längere Bekanntschaft daraus ergab. Dann kam so einer, der anfangs nett war, mit "Lust auf CS?". Ich wusste nicht, was er meinte, aber aus dem Slayerboard habe ich einmal gelesen, dass CS für Counterstrike, irgendsoein Computerspiel, stand. Also mit "Ich kenne das Spiel nicht, sorry!" geantwortet. Ein LOL kam von einem Außerstehenden, der bisher nichts gesagt hatte. "Nein, ich meine Cybersex. Ist geil. Hast du ein Pic von dir?" kam als Antwort und er wurde Sekunden später auch schon von einem Moderator aus dem Chat gekickt. Ich so im Stillen: "Ohje..."
Fazit: Im Internet gibt es auch Idioten.
Nur so am Rande: Im realen Leben waren für mich viele Typen aus meiner Schule nur DIE Idioten. Dass es woanders noch (größere) Idioten als sie geben konnte, das war eine... interessante Feststellung.

Der erwähnte Außerstehende unterhielt sich dann mit mir, erfuhr, dass ich ein Internetfrischling bin und gab mir noch einen sinnvollen Tipp, meine E-Mail-Addresse, die im Profil öffentlich einsehbar war, zu wechseln. Tatsächlich hatte ich eine E-Mail-Addresse mit Vor- und Nachname drin. Das leuchtete mir ein und ich registrierte so schnell wie möglich eine weitere E-Mail-Addresse.
Fazit: Im Internet muss man auf seine eigene Privatsphäre achten.
Nur so am Rande: Mache ich so gut wie es geht auch bis heute.

In den darauffolgenden Sommerferien hatte das Internet-Fieber mich schließlich gepackt und ich verbrachte viel Zeit online. In dem Chat hatte ich auch endlich ein paar nette Bekanntschaften geschlossen, mit denen ich oft chattete. Es war schön zu wissen, dass es auch Leute gab, die so wie ich tickten. In der Schule war ich bloß die uncoole Eigenbrötlerin mit kindischen Interessen. Ich entdeckte viele Foren, wo ich mich anmelden konnte und traute mich auch, dort mitzuschreiben. Und es gab auch Seiten, auf denen ich spielen konnte. Das "Sonntagsmaler"-Spiel habe ich heiß geliebt. In den Ferien spielte ich es einen ganzen Tag und kam in die Top10 der Highscore, was sonst nur Hardcore-Spieler schafften. *hüstel*
Nach den Ferien kam meine Mutter mit einem Brief der Telekom auf mich zu und ich war entsetzt davon, dass die Telefonrechnung eine dreistellige Zahl zeigte.
Es war damals so, dass man mit einem 56k-Modem über einen Anbieter sich ins Internet einwählen konnte. Dabei musste man immer auf die Uhrzeit achten, denn ein Tarif war z.B bis 18:00 sehr günstig und danach ziemlich teuer. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich das oft vernachlässigt habe, weil ich keine Lust aufs Neueinwählen hatte. Ich versprach meiner Mutter Besserung und als die nächste Rechnung eine zweistellige und niedrigere Zahl als sonst zeigte, weil ich bewusster auf die Preise achtete, war sie dann zufrieden.
Fazit: Das Internet kann TEUER werden.
Nur so am Rande: Seit 2004 dank DSL-Flatrate kein Thema mehr!

Zwei Mädels und ich machten 2003 eine Homepage, auf der allerdings nur Unsinn über uns stand. Aber ich fand das mit der Homepagegestaltung interessant und schaute so, was die anderen für Seiten hatten. Also erstellte ich bei Beepworld eine Seite, war aber noch ratlos, womit ich sie füllen soll. Irgendwann geriet ich an eine Anime-Seite und ich fand das wirklich toll, dass ich mit den Gedanken spielte, ebenfalls eine zu basteln, wobei der Fokus mehr auf Japan lag. Mit M-chan, die auch zur selben Zeit eine Anime-Seite gestaltet hatte, machte das ziemlich viel Spaß. Partnerschaften wurden geknüpft und auch neue Leute, die Anime & Co. mochten, kennen gelernt. Von Chrissi lernte ich viel über HTML & Co. und auch einiges über Layoutgestaltung. Ich hätte damals nie gedacht, wie einfach es doch ist, Webseiten auf diese Weise zu gestalten und sagte schnell Beepworld Adieu, um massenweise neue Seiten zu erstellen.
Fazit: Im Internet kann man sich prima kreativ austoben.
Nur so am Rande: Leider ist es dann so, dass ich mich selten um alle Seiten kümmern konnte und mein Network immer wieder verschlanken musste. Heute bin ich nicht mehr an Besucher oder Partner interessiert, so dass ich ruhig an Frozen Moon herumschrauben kann, wenn ich mal Lust habe. Aktuell arbeite ich nebenbei an einer Haiku-Seite... aber ich lasse mir damit Zeit.

Ach, es gibt ja auch noch das reale Leben, das plötzlich uninteressant geworden ist. Ich las nicht mehr so viele Bücher wie früher und genug Zeit für die Schule hatte ich auch nicht mehr so, wie ich es wollte. Manchmal hatte ich auch nur 3-5 Stunden Schlaf, weil ich lieber noch mit jemandem via Eiskuh quatschen wollte. Hausaufgaben versuchte ich auf dem Schul- oder Heimweg im Zug zu erledigen. Glücklicherweise waren meine Noten nie in Gefahr, bis auf Mathe, aber mit dem Fach stand ich auch schon in der Prä-Internetzeit auf dem Kriegsfuß.
Fazit: Das Internet ist der größte Zeitdieb aller Zeiten.
Nur so am Rande: Wird es etwa von den Grauen Herren beherrscht?

So war das damals. Schon zehn Jahre her. Mit der Zeit wurde ich auch immer mehr sicherer, was den Umgang mit dem Internet anging und über meine zahlreichen Anfängerfehler kann ich heute lachen. Mit dem Wissen von heute ist es auch sehr interessant, darüber zu reflektieren, wie sich das "Web 2.0" seit 2002 verändert hat. Viele Seiten konnten früher durch ihre eigene Individualität bestechen und mit anderen, von der Thematik her ähnlichen Seiten auf einer gleichen Stufe existieren. Heute gibt es nur Wiki- und Social Networking-Einheitsbrei. Es gibt nur DAS und es gibt nur DAS und alles andere wird nicht beachtet. Eigentlich schon schade. Ich war 2002 im realen Leben eine Außenseiterin und zehn Jahre später fühle ich mich hier im "Massenmedium" Internet auch schon irgendwie als solche weil ich wie damals im realen Leben nicht jeden Mist mitmache. (Das hatte die Folge, dass ich mehr ins reale Leben flüchten wollte...)

Nun ja, ich muss mich immer noch darüber wundern, wieviel Zeit ich damals online verbracht habe und ich ärgere mich jetzt auch noch heute darüber, dass ich aus lauter Faulheit so wenig für die Schule gemacht habe. Nun ja, hinterher ist man immer schlauer... und die Erfahrungen, die ich damals gemacht habe, bleiben trotzdem wertvoll. Mein Horizont wurde gewaltig erweitert, ich lernte die große, weite Welt virtuell kennen und mit ihr viele tolle, interessante Menschen aus aller Welt, die ich immer in guter Erinnerung behalten werde, weil ich von ihnen so einiges gelernt habe. Das ist das wichtigste Fazit überhaupt! ^_^

Wie ist das bei euch gewesen, wann habt ihr euren eigenen Internetzugang gehabt? Ein paar Anekdoten zur Verfügung? ^_^

Kommentare:

  1. Meine erste Internetseite hatte ich auch bei Beepworld und danach hab ich alle möglichen Webhoster ausprobiert! >-<
    Das mit dem CS find ich auch lustig! XD
    Ich weiß garnicht mehr wann ich mit dem Internet angefangen habe, allerdings auch recht früh, da mein Dad sich immer extrem für alles was Computer anging interessiert hat! ^-^

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  2. Oh mann, die Geschichte klingt fast 1:1 wie meine. Wir hatten ganz am Anfang nur Internet, wenn ich das Handy von meinem Vater benutzte und es irgendwie an die Schnittstelle vom Laptop legte. Die Rechnung war horrend und ich bekam tierisch Ärger. In der Schule konnte ich anfangs mit dem Internet nicht viel anfangen, doch dann entdeckte ich Fanfiction und Chatrooms und es ging los. Irgendwann meldete ich mich auf einer Animeseite an und lernte meinen Freund kennen. Später kamen dann die MMORPGs und von da an ging es eine Weile bergab. Ich habe zwar die Berufsschule und meine Ausbildung abgeschlossen, aber das nicht mit Bestnoten. Das Internet ist wirklich gefährlich, wenn man keine Ahnung davon hat.
    Mittlerweile hat sich das alles gebessert und der Suchtfaktor ist auf ein Minimum geschrumpft. Und dank Flatrate gibt es schon seit Jahren keine dreistelligen Telefonrechnungen mehr!
    Dank deinem Beitrag ist mir aber auch erst bewusst geworden, wie man sich selbst mit dem Internet entwickelt hat und das man es heute für selbstverständlich ansieht. Ich komme auch vom Dorf und als Mangafan gab es nur etwas im Buchladen. Von Neuigkeiten aus der Szene hörte man nichts, wenn man nicht in einen Comicladen ging oder sich eine Zeitschrift kaufte. Heute ist das alles viel einfacher und ich muss zugeben auch nicht mehr so oft in den Laden zu gehen, weil mich die Auswahl regelmäßig erschlägt und ich dann doch nix kaufe... Online kann ich Rezensionen suchen und mir problemlos alles bestellen, was ich im Laden lange in den Regalen suchen müsste. Im Gegensatz dazu stöbere ich aber total gerne in richtigen Büchern im Laden. o.o"

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    1. Oh ja! Wie "klein" die eigene Welt damals doch war! Als Küken sog ich jeden möglichen interessanten Artikel in einer Zeitschrift auf... und heute, wenn ich mir mal eine kaufe... "Ach, Schnee von gestern!" XD
      Ich musste auch immer in die Stadt, um Manga zu kaufen und war enttäuscht, wie wenig Auswahl es gab. Amazon sei Dank hat sich das heute geändert. Aber Bücher kaufe ich auch lieber gern im Laden. Da kann ich schon mal auf einem Couch dort in ein Buch reinlesen und es wieder zurücklegen, wenn es mir nicht gefallen hat. "Hurra" sagt dann mein Geldbeutel und weint doch, wenn ich ein besseres Buch gefunden habe. :D

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    2. Ich habe mir schon jahrelang keine Zeitschriften mehr gekauft. Früher die MangaSzene und eine Weile die Banzai und Manga Power , aber woanders hörte man so als Außenseiter und Manga Fan ja nix, weil die meisten das blöd fanden. >: Erzähl das heute mal den Jüngeren, das verstehen die bestimmt schon gar nicht mehr. Die kennen keine Welt ohne Internet und Handy.
      Wenn ein Buchladen keine Sitzecke hat, könnte ich immer ausflippen. Ich sitze gerne beim Lesen, dann steht man wenigstens nicht im Weg vor dem Regal rum.

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