Dienstag, 21. Februar 2012

[Buch] Haruki Murakami - 1Q84


Haruki Murakami
1Q84

Eines vorweg, ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Ich weiß nicht, ob das bei der deutschen Übersetzung auch genauso ist, dass es die Trilogie in zwei Teilen gibt, einmal das Buch, das Book One und Two enthält und einmal das etwas schmalere Buch, das Book Three enthält.

Inhalt:
Das Buch spielt im Jahr 1984 und wird aus der Sicht zweier Protagonisten erzählt, zwei Außenseiter, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen, aber trotzdem einsam sind.
Aomame ist auf dem Weg zu einem wichtigen Termin, als sie, im Taxi sitzend, aus dem Radio plötzlich eine Melodie vernimmt, die ihr aus einem unbekannten Grund bekannt vorkommt. Da sie im Stau auf einer Schnellstraße feststeckt, rät ihr der Taxifahrer, den Notausgang zu nehmen, gibt ihr aber auch die Warmung "Don't let appearances fool you - there is only one reality." mit auf dem Weg. Bei ihrem Termin bringt sie einen Mann in einem Hotel unauffällig um, so wie sie es erledigen sollte. Anschließend fallen ihr in ihrem Umfeld Details auf, die ihr als bisher eifrige Zeitungsleserin seltsam vorkommen, da sie noch nie davon gehört hat. Sie vermutet daher, dass sie in einem Paralleluniversum gelandet ist und gibt ihm den Namen 1Q84.
Tengo unterrichtet Mathematik an einer Nachhilfeschule und arbeitet nebenbei für ein Literaturmagazin. Er träumt davon, als Schriftsteller Erfolg zu haben, aber bisher will es nicht klappen. Dann erfährt er von dem Manuskript der 17 Jahre alten Fuka-Eri: "Air Chyrsalis". Vom Inhalt her preisverdächtig, der Schreibstil muss aber von Tengo auf Bitte seines Redakteurs heimlich verbessert werden. Tengo schreibt also die Geschichte neu, ahnt jedoch nicht, was er damit in den Gang setzt und welche Auswirkungen das für Aomame, zu der er eine besondere Verbindung besitzt, hat.

Typisch Murakami. Interessante Figuren, interessante Zwischengeschichten, interessante Details, die anfangs belanglos erscheinen, aber sich als wichtig entpuppen.

Für mich war das Buch auf Englisch recht einfach zu lesen. Mit jedem Kapitel wechselt sich die Sicht der Protagonisten, in der dritten Person erzählt, ab. Trotzdem verliert man keinen Faden, auch wenn man sich mal kurz dazwischen ärgern muss, weil man doch lieber gleich wissen will, wie es mit Aomame oder Tengo weitergeht.

Ich mochte die Protagonisten gleich von Anfang an, weil ich mich mit ihnen irgendwo identifizieren konnte. Aomame ist geschichtlich interessiert und merkt sich alles, was sie mal gelesen oder davon gehört hat. Sie arbeitet in einem Fitnessstudio als Sportlehrerin, wo sie Kurse in Selbstverteidigung gibt. Von Zeit zu Zeit bringt sie Männer aus einem bestimmten Grund unauffällig um.
Tengo denkt oft an seine trostlose Vergangenheit mit seinem Vater, von dem er glaubt, er sei nicht sein Vater,  zurück, da seine früheste Erinnerung ihm zeigt, wie seine Mutter Sex mit einem Mann, der nicht sein Vater ist, hat. Ablenkung findet er, indem er die Geschichte von Fuka-Eri, "Air Chyrsalis", neu schreibt.

Fuka-Eri ist ein merkwürdiges Mädchen, das nicht viel sagt und sich auch ohne Murren einverstanden zeigt, dass Tengo ihr Werk neu schreibt. Man erfährt spät, worum es in diesem Fantasy-Bestseller "Air Chrysalis" geht, obwohl er sich wie ein roter Faden durch "1Q84" schlängelt. Es wird aber früh impliziert, dass alles, was in dem Buch geschehen ist, Fuka-Eri auch selbst erlebt hat. Darin geht es um ein kleines Mädchen, das in einer Kommune lebt, und eines Tages Kontakt mit den mysteriösen "Little People" hat, die die Fähigkeit haben, aus Luft ein Kokon zu spinnen. Fuka-Eri wuchs selbst in einer religiösen Sekte auf und floh eines Tages von dort zu einem Freund ihres Vaters. Die besagte Sekte spielt in der Geschichte ebenfalls eine große Rolle und zwar eine hassenswerte.

Das Ende, wo alle Fäden schließlich zusammengekommen sind, fand ich recht schön. Aber eigentlich hätte es auch nur Book One und Book Two geben sollen, Book Three war mehr oder weniger eine Überraschung von Murakami. Hätte das Buch bei Book Two geendet, hätte ich mich wohl ziemlich geärgert, umso kann ich mich wirklich darüber freuen, dass man noch erfahren kann, wie es bei Aomame und Tengo weitergeht.

Was ich an Murakami mag, ist, dass er oft die Werke anderer Autoren mit in seinen Geschichten einbaut und sie durch seine Figuren kommentieren lässt. Das kann recht witzig oder gruselig sein, aber auch unheimlich philosophisch sein. Es gibt auch viele Passagen im Buch, die ich mir aufgeschrieben habe, weil sie einfach wunderschön geschrieben sind.

"Is it possible to become friends with a butterfly?"
"It is if you first become a part of nature. You suppress your presence as a human being, stay very still, and convince yourself that you are a tree or grass or a flower. It takes time, but once the butterfly lets its guard down, you can become friends quite naturally."
"Do you give them names?" Aomame asked, curious. "Like dogs or cats?"
The dowager gave her head a little shake. "No, I don't give them names, but I can tell one from another by their shapes and patterns. And besides, there wouldn't be much point in giving them names: they die so quickly. These people are your nameless friends for just a little while. I come here every day, say hello to the butterflies, and talk about things with them. When the time comes, though, they just quietly go off and disappear. I'm sure it means they've died, but I can never find their bodies. They don't leave any trace behind. It's as if they've been absorbed by the air. They're dainty little creatures that hardly exist at all: they come out of nowhere, search quietly for a few, limited things, and disappear into nothingness again, perhaps to some other world."

1 Kommentar:

  1. Um deine Frage zu beantworten, ob in Dt auch Teil 1+2 in einem Buch rausgekommen ist: ja :)

    Mir hat das gesamte Werk auch sehr gut gefallen. Geheimnisvoll und leidenschaftlich, der Blick fürs Detail und dieser Schleier Magie, der über dem ganzen Geschehen hängt.
    Das Ende fand ich zwar gut, aber irgendwie fehlte etwas, ich kann das nicht genau benennen, aber ich empfand es als zu selbstverständlich.
    Die Zusammenführung war aber schön gemacht, wie du schon meinst. Die Stadt der Katzen, die Realität und 1Q89...
    Mir hat persönlich die Geschichte mit Tengo und seinem Vater sehr gefallen.

    Mal schauen, wann wir neues von Murakami lesen dürfen!:)

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