Samstag, 6. August 2011

Vor 66 Jahren...


Gerade habe ich in den Nachrichten gehört, dass die Japaner den Atombomben-abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki vor 66 Jahren am 6. und 9. August 1944 gedenken. Früher habe ich sehr viel über den Kriegsverlauf im Pazifik gelesen. Ich wollte immer wissen, was die Ursache dafür war, aber im Geschichteunterricht der Schule wurden wir natürlich mit allen Informationen über den Krieg auf dem europäischen Kontinent überschüttet und der Pazifikkrieg wurde nur beiläufig am Rande erwähnt: Pearl Harbor und Atombombenabwürfe, das war's. Wie war das bei euch so?

Bevor ich vor einigen Jahren den Manga "Barfuss durch Hiroshima" gelesen habe, war mir nie bewusst, welche Auswirkungen ein Atombombenabwurf auf die Überlebenden, die Hibakusha, haben konnte. Ich las einmal von einer Frau, die den Abwurf unverletzt überlebt hatte, aber 18 Tage später an der Strahlen-krankheit gestorben ist, das hat mich schon sehr schockiert.
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"Barfuss durch Hiroshima" von Kenji Nakazawa basiert auf die eigenen Erfahrungen des Mangaka und erzählt die Geschichte des kleinen Gen, der mit seiner Familie in Hiroshima lebt. Die Atombombe tötet seinen Vater und seine Geschwister und er muss sich mit seiner schwangeren Mutter durch die verwüstete Stadt durch-schlagen. Von dem Manga gibt es auch einen Anime, den sollte man einmal gesehen haben, zweifellos einer der besten Filme über den Zweiten Weltkrieg. Vor allem die sehr realistischen Szenen, wie Hiroshima von der Atombome vernichtet wird, wird man nie vergessen können.
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Dann gab es noch die berühmte Geschichte von Sadako Sasaki (1943-1955), die als Zweijährige den Abwurf auf Hiroshima überlebt hatte und für ihren Versuch, 1000 Papierkraniche zu falten, damit ihr Wunsch, weiterleben zu können, erfüllt werden kann. Das Buch von ihrem Bruder "Meine kleine Schwester Sadako" ist sehr zu empfehlen, darüber habe ich hier schon mal gebloggt.
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Es gibt auch ein weiteres Buch, das man mal gelesen haben sollte. "Als die Atombome fiel - Kinder aus Hiroshima berichten." - es enthält sehr bewegende Aufsätze von überlebenden Kindern. Einige von ihnen kommen als Erwachsene (das Buch wurde in den 80ern herausgegeben) wieder zu Wort, aber es gibt auch einige, die Jahre später jung gestorben sind. Einer erwähnte, dass er eigentlich nie darüber reden wollte, was damals geschehen ist. Aber dann berichtete er von einem Erlebnis, dass jemand erwähnte, warum eine geplante Friedenstagung ausgerechnet in Hiroshima stattfinden sollte, was ihn sehr geärgert hatte. Tatsächlich wurden die Hibakusha damals von der Gesellschaft gemieden, viele wurden auch gar nicht mal als solche anerkannt - kurzum: was damals geschehen ist, wurde verschwiegen. Tsutomu Yamaguchi (1916-2010) ist seit 2009 (!) der einzige offiziell anerkannte Hibakusha, der beide Abwürfe überlebt hatte, obwohl es neben ihm auch viele andere Überlebende beider Abwürfen gab.
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Was mir auch zu dem Thema noch einfällt, ist das bekannte Foto von Sumiteru Taniguchi (*1929) aus Nagasaki. Ein 16jähriger Postbote, der die Bombe vor allem am Rücken zu spüren bekam. Seine Haut löste sich dabei auf. Er konnte gerettet werden, verbrachte aber 21 Monate im Liegen mit der offenen Haut. Er konnte erst 1947 aufstehen und zwei Jahre später das Krankenhaus verlassen.
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So reizvoll es sein mag, in einer anderen Zeit, in einem anderen Land zu leben, so bin ich wirklich froh, hier im friedlichen Deutschland zu leben.

Kommentare:

  1. Bonsoir...

    Ich habe auch über die Nachrichten über den Gedenktag gehört.
    Bei uns war es auch ähnlich: wir haben dies auch nicht im Unterricht besprochen, sondern lediglich angeschnitten, wenn wir mal etwas mehr Zeit hatten oder konkret danach gefragt wurde.
    Ich habe davon mehr in unserem Religionsunterricht erfahren, der teilweise mehr Philosophie war, als Religion. Wir haben uns mit dem Gedicht "Hiroshima" (von Marie Luise Kaschnitz) befasst und dahingegend auch darüber gesprochen.
    Gerade Sasako Sasaki ist mehr sehr gut in Erinnerung geblieben, weil mich ihre Geschichte unheimlich berührte. Seitdem möchte ich das, von dir schon angesprochene Buch lesen, doch ich bin bisher nicht dazu gekommen. - Ich möchte mir dafür wenn auch Zeit nehmen, denn es ist nunmal ein wichtiges Thema.

    Von dem Buch und dem Manga hatte ich bisher noch nichts gehört, bin aber dahingehend nun interessiert, sodass ich sicherlich auch die beiden "Lektüren" hinzuziehen werde, wenn ich mich damit befasse.

    Ich finde es echt toll, dass du dich damit so auseinandergesetzt hast, denn der Eintrag dazu finde ich wirklich sehr informativ und die Verweise auf Bücher und Menschen sind sehr beeindruckend.

    Viele liebe Grüße!
    Monsieur Espoir

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  2. Salut ^^

    Danke, für dein Kommentar! Es freut mich, dass ich dich wieder an etwas erinnern konnte. Ich finde das Gedicht wirklich sehr einfühlsam und hat mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Ich glaube, ich habe mich damals sehr reingesteigert, denn innerhalb eines fiktiven Interview mit dem Piloten, welches wir uns vorstellen sollten, habe ich soviel "Wut" (finde gerade das richtige Wort nicht) reingelegt, dass meine Lehrerin schon verwundert war ^^"

    Zu den Familienfeierlichkeiten: Vielleicht hast du recht und man sollte nicht immer so streng mit seiner Familie sein, jedoch kann man mich schnell auf die Palme bringen und dann kann ich nicht mehr zwischen "naiven Rumgeschnatter" und Ernsthaftigkeit urteilen. Ich glaube, daran sollte ich arbeiten xD"

    Ich wünsche dir noch einen angenehmen Sonntag!
    Liebe Grüße!
    Monsieur Espoir

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