Mittwoch, 17. August 2011

Auf den Spuren der Ahnen



Und wieder ein Juwel im Keller gefunden.
Gestern habe ich ja schon beim Aufräumen in einer Stabilo-Dose (!) ein 50-Mark-Schein, auf dem das Antlitz von Balthasar Neumann zu sehen ist, gefunden. Meine Mutter hätte die fast weggeworfen. Den Schein will ich aber nicht wechseln, auch wenn ich die 25 € gut gebrauchen könnte.

Heute fand ich endlich den lang gesuchten Stammbaum meiner Familie mütterlicherseits. Ein Verwandter hatte ihn mal vor 25 Jahren erstellt. Als ich das letzte Mal darauf geworfen habe, war ich noch ein Kind und hatte viele Details nicht mehr richtig im Kopf. Von daher ist das interessant, noch einmal einen Blick darauf werfen zu können. Und wenn man schon sowieso dabei ist, ein paar Todesdaten habe ich schon leider eintragen müssen... darunter meine Oma (2003), meine Lieblingstante (2007) ...

Der Stammbaum fängt Mitte des 18. Jahrhunderts an. Damals lebte meine Familie in einem anderen Dorf, etwa 20km von uns entfernt. Aber der Stammbaum geht so richtig ab Mitte des 19. Jahrhunderts los.
Was ich dabei am interessantesten fand, war Folgendes:

Mein Ururgroßvater (1854-1929) zog später in mein Dorf, wo er eine Frau heiratete und mit ihr zwischen 1882 und 1896 12 Kinder zeugte. Nur sechs Kinder erreichten das Erwachsenenalter. Bei der Geburt des jüngsten Kindes 1896 starb die Ehefrau und mein Ururgroßvater heiratete kurz darauf eine andere Frau, die 23 Jahre jünger als er war! 16 Kinder kamen zwischen 1897 und 1918 aus dieser Ehe hervor, von denen wieder nur die Hälfte das Erwachsenenalter erreichten. Die Kinder, die nicht überlebten, starben sehr jung an Lebensschwäche, an Brand (Typhus), an Fraisen (Epilepsie), an einem Gehirnfieber (Enzephalitis)... Krankheiten, für die es heute ein schnelles Mittel dagegen gegeben hätte. Die Kindersterblichkeit war damals leider sehr hoch.

Ich frage mich oft, wie meine Vorfahren wohl gewesen waren und wie sie gelebt haben. Als Einzelkind einer alleinerziehenden Mutter kann ich mir ja nur schwer vorstellen, wie es ist, in einer Familie mit Geschwistern aufzuwachsen. Und auch noch in einer um 1900 herum. Mein Ururgroßvater scheint jedenfalls ein Patriarch gewesen zu sein... 28 Kinder bzw. 14 Kinder, weia! Aber immerhin scheinen sie alle letztendlich wohlgeraten zu sein. Bis auf eins, das zeitlebens ledig geblieben ist, gründeten diese Kinder selbst eine eigene Großfamilie, die "nur" bis zu sechs Köpfen reichten. Und langsam ging im Stammbaum der Trend zu einer Kleinfamilie mit 1-3 Kindern.

Ein Jammer, dass meine Großeltern - beide Jahrgang 1916 - mir nicht mehr erzählen können, wie es damals war. Mein Opa starb, als ich drei Jahre alt war. Und meine Oma konnte mir nur noch erzählen, wie es bei ihr früher in der Dorfschule war. Der Lehrer war streng und freche Schüler bekamen von ihm die Rute auf die Hand. Und sie hat mir auch beigebracht, wie man die Sütterlin-Schrift lesen kann. Sie konnte nämlich nur in dieser Schrift schreiben, was ich früher immer so geheimnisvoll gefunden hatte...

Habt ihr in eurer Familie auch einen Stammbaum?
Wie lang geht er zurück? Gibt's pikante Details? Vielleicht sogar jemand Berühmtes dabei? ^_^

1 Kommentar:

  1. Wir haben leider keinen Stammbaum, was ich persönlich sehr schade finde. Wenn meine Großtante stirbt, dann gibt es bei uns keinen mehr, der weiß, wer die Menschen auf den alten Schwarz-Weiß Bildern sind. Meine Oma ist leider schon gestorben, bevor ich sie nach meinen Vorfahren oder ihrem Leben fragen konnte. Als Kind ist einem sowas leider nicht bewusst. Ich wünschte sie wäre noch hier. Meinen Opa habe ich nie kennengelernt. Er ist gestorben als meine Mutter noch jung war. Meine Uroma ist kurz nach meiner Geburt gestorben und mein Uropa im Krieg in Russland gefallen.

    Unsere andere Familienhälfte ist etwas wirr. Die Mutter meines Opas wurde im Krieg während eines Luftangriffes getötet. Von der Vergangenheit meiner Oma weiß ich nichts.

    Ich habe mich vor Monaten sehr gefreut, als wir alte Postkarten gefunden haben. Auch wenn ich von einigen wirklich geschockt war. Leider kann ich kein Sütterlin lesen, auch wenn ich es mal lernen musste und so bleiben die Postkarten immer ein Geheimnis für mich. Auch alte Bilder von meinen Vorfahren waren dabei, manche in Uniform oder dabei unser Haus (1929) zu bauen. Meine Oma ist hier irgendwann eingezogen, vorher hat das Haus nur einem entfernten Verwandten gehört. Ursprünglich kommen sie aus der Gegend um Magdeburg, aber wegen dem Bergbau sind sie hergekommen.

    Ich finde es toll etwas altes zu finden oder über seine Familie neue Erkenntnisse zu gewinnen.

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