Sonntag, 24. Juli 2011

Als Kind...... geglaubt!


Was Erwachsene mir alles eingeredet haben... oder was ich eigentlich gedacht habe...

"Sei brav, dann kommst du in den Himmel! Wenn du böse bist, kommst du in die Hölle! Willst du das denn?"
Ich habe als Kind so viel angestellt, ich komme auf jeden Fall in die Hölle. Oder auch nicht.

"Schluck' keine Kirschkerne runter, sonst wächst dir ein Kirschbaum aus dem Mund!"
Wir hatten einen Kirschbaum im Garten und da habe ich mich oft mit Kirschen vollgefressen. Ich war zu faul, um die Kerne rauszuspucken, also habe ich sie lieber todesmutig runtergeschluckt. Bauchschmerzen gab's nur selten.

"Wenn es draußen ein Gewitter gibt, dann ist jemand nicht brav gewesen. Hast du was angestellt?"
Wenn meine Mutter mich mal vorher ausgeschimpft hat und es danach ein Gewitter gab, dann habe ich oft gesagt, dass das ihre Schuld sei.

"Wenn du jemandem die Zunge rausstreckst, wird sie abgeschnitten!"
Zu oft getan, nix passiert.

"Trink' nichts, nachdem du Obst oder Eis gegessen hast."
Darauf habe ich tatsächlich immer gehört. Mache ich auch heute noch. Aber ganz einfach, weil es mir danach nicht schmeckt bzw. bei Obst mein Durst bereits gelöscht ist.

"Geh' schlafen, Kind, sonst kommt das schwarze Monster unter deinem Bett!"
Einmal konnte ich nachts einfach nicht schlafen und musste an das schwarze Monster denken. Dann bin ich ganz todesmutig aus dem Bett geklettert und habe meine Hand in die Dunkelheit unter meinem Bett gesteckt. Ich dachte, wir könnten vielleicht Freunde werden, weil doch jeder vor ihm Angst hat.
Leider hat es nie darauf geantwortet.

"Der Ohrkäfer heißt so, weil er anderen beim Schlafen gern ins Ohr kriecht."
Hier ist ein Ohrwurm gemeint. Ich finde diese Insekten einfach nur eklig.

"Der Hans arbeitet auf Montage."
Wenn ich groß bin, will ich auch nur montags arbeiten gehen...

"Wenn du nichts essen willst, dann wirst du wie der Suppenkaspar enden."
Ach, der gute alte Struwwelpeter. Auch wenn das Buch sehr brutal sein kann, mag ich es sehr gern. Friedrich, Hanns, Philipp, Pauline, Konrad, Robert...

"Die Maier hat Krebs."
Krebs? Ui, toll, ich will den auch sehen. Ob er große Scheren hat?

Aus Kühltürmen von Atomkraftwerken entstehen Wolken.
Das sah immer so schön aus...

Die Welt zwischen 1860 und 1950 war schwarz-weiß.
Ich habe ja als Kind gern in Chroniken geblättert. Komischerweise dachte ich anhand der bunten Porträts von Königen, dass die Welt damals genauso bunt ausgesehen hat wie heute. Ab 1860 gab es die ersten Fotografien von Menschen und Orten, alles schwarz-weiß...  ich habe mich immer gewundert, warum es keine Farbfotos von ihnen gegeben hat, das sähe doch schöner aus. Ich kann mir heute noch schwer vorstellen, wie Berlin in den 20ern ausgesehen haben könnte - da ende ich immer nur bei s/w und Leuten, die unglaublich schnell gehen können. Bei Phoenix gab es mal die Reihe "Die Welt der Dreißiger in Farbe", das fand ich sehr merkwürdig, die Leute, die in dieser Zeit gelebt haben, alle in Farbe zu sehen.

"Der Opa ist im Himmel."
Ich weiß noch, wie ich als Kind oft die Wolken angestarrt habe, in der Einbildung, mein Opa, der 1991 verstorben ist, müsste jetzt auf einer Wolke sein. Ich bin Atheist, aber müsste ich einem Kind erklären, warum ein geliebter Mensch nicht mehr da ist, dann würde ich auch sagen, dass dieser jetzt im Himmel ist. Ich glaube, Kinder wissen schnell, dass es bedeutet, dass jemand nicht mehr zurückkommt, wenn dieser im Himmel ist. Alles andere wäre einfach zu schwierig.

"Geh' niemals mit einem Fremden mit! Steig' zu keinem ins Auto! Nicht mal, wenn er dir sagt, dass die Mama im Krankenhaus ist. Der wird dir sonst was Böses antun."

Kein Irrglauben, sondern eine effektive Warnung, die immer wiederholt wurde. Ich hatte tatsächlich mal solche Begegnungen mit dem "Fremden". Einmal hielt ein Auto neben mir und fragte nach der Straße. Ich bin da einfach weggelaufen. Ein anderes Mal fuhr ein Auto aus irgendeinem Grund sehr langsam auf der anderen Straßenseite an mir vorbei, ein bärtiger Mann sah mich, auf dem Fahrrad radelnd, sehr lange an. Ich fand das sehr beklemmend, so dass ich mich noch heute sehr gut daran erinnern kann, wie er ausgesehen hat und was er für ein Auto gefahren hat. Hätte ich ein Kind, würde ich ihm gegenüber das Gleiche so oft wie es geht sagen und ihm dann vertrauen, dass es zurechtkommen wird, wenn es draußen alleine spielen geht. (In diesen Zeiten, wo man im Gegensatz zu damals so viel über Verbrechen an Kindern erfährt, ist das schon schwierig, das Ganze gelassen zu sehen...)

Kommentare:

  1. Haha, das mit dem Kirschbaum und dem nichts trinken nach dem Obstverzehr habe ich auch oft gehört. Statt dem Gewitter sagte man mir aber "Wenn du nicht aufisst gibt es morgen schlechtes Wetter". Und irgendwer fragt heute immer irgendwo, wer nicht aufgegessen hat, weil es regnet. ;)

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  2. Ein schöner Beitrag. Gefällt mir sehr gut.
    Interessant finde ich hier v. a. dass jedes Kind wohl dieselben Sprüche zu hören bekommt.

    Aber die Ansicht, dass 1860-1950 alles s/w ist finde ich sehr lustig :D Man könnte es fast meinen, ja.
    Todesmutig mit der Hand unters Bett zum Monster zu greifen. Uiuiuiui, das hätte ich mich wohl nie getraut.

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