Mittwoch, 25. Mai 2011

Kleine Filme, große Wirkung #2

Nun ja, ich weiß nicht, ob überhaupt jemand diesen uralten Horrorschinken kennt. Jedenfalls ist er vermutlich zu Recht als einer der schlechtesten Horrorfilme überhaupt bezeichnet worden. Aber für ein fünfjähriges Kind bleibt ein Horrorfilm ein Horrorfilm, ganz egal, ob die Kritiken gut oder schlecht sind - Hauptsache: es hat dabei Angst bekommen. Oder schlimmer: ein Trauma fürs Leben erlitten. So wie ich bei diesem Film aus dem Jahr 1977.


Tentacoli. Angriff aus der Tiefe, wie der deutsche Titel lautet. Lange habe ich mich gefragt, welcher Film eigentlich mein erster Horrorfilm war. War es Tentacoli? Oder war es doch Poltergeist? Aber ich denke, es müsste erstgenannter sein, denn ich glaube, Poltergeist habe ich erst etwas später gesehen, mit sechs oder sieben. Aber bei Tentacoli war ich fünf. Und ich glaube, meine Wahrnehmung muss damals falsch gewesen sein. Ich könnte nämlich schwören, den Film damals noch im Nachmittagsprogramm auf Pro7 (!) gesehen zu haben, weil es draußen sehr hell war. Aber vielleicht war das nur die Abenddämmerung im Sommer. (Obwohl...  ich weiß nicht, wo meine Mutter überhaupt zu dem Zeitpunkt war, sonst hätte sie mich längst ins Bett geschickt. Oder vielleicht war es ein Samstag Abend, da durfte ich schon länger aufbleiben...)

Jedenfalls habe ich jetzt nur sehr wenige Erinnerungen an den Film. Aber ich hielt sie, je älter ich wurde, immer für einen Traum, den ich nicht vergessen konnte. Jedenfalls wusste ich, wie der Film anfing. Nämlich eine Mutter mit einem Baby im Kinderwagen vor einer Küste. Und dann meinte ich mich zu erinnern, dass die Mutter dann auf eine andere Straßenseite wechselte, um in einer Telefonzelle wen anzurufen. Dann kam ein riesiger Lastwagen vorbei und schwups, war das Baby samt Kinderwagen verschwunden. Als die Mutter das bemerkt, läuft sie rüber und sieht den Kinderwagen im Meer schwimmen. Und wie es weitergeht, erinnere ich mich nicht, nur an einzelne Szenen, die mir ins Gedächtnis eingebrannt sind. Meist Unterwasserszenen, in denen nur riesige Tentakeln zu sehen waren, wie sie sich einem Boot näherten.

Bis vor einigen Stunden wusste ich nicht, ob der Film wirklich so angefangen hatte. Bei Youtube hatte ich früher mal danach gesucht, aber außer Trailers nichts gefunden. Ich dachte, ich hätte mir das alles in meiner kindlichen Fantasie eingebildet. Aber wie gesagt, bis vor einigen Stunden... denn ein japanischer User hatte den Film bei Youtube hochgeladen. Und es war ja doch kein Traum!


Statt Telefonzelle hat die Mutter bloß mit einer Bekannten geplaudert und statt Lastwagen kam ein Schulbus vorbei. Aber sonst passt alles. Komisch, sich darüber zu freuen, dass die Erinnerung über etwas, was man mit gerade mal fünf Jahren gesehen hat, einen nicht im Stich gelassen hat. ^^

Wie schon anfangs gesagt, der Film hat mir als Kind ein schönes Trauma hinterlassen. Ich weiß noch, dass ich in der 2. Klasse (also mit 7 Jahren) mal mit einer Klassenkameradin gemeinsam in einem Tierlexikon gelesen habe. Als wir dann später bei T wie Tintenfisch angekommen sind (das war so eine gruselige dunkel gestaltete Seite mit verschieden aussehenden Kraken oder Kalmare im Tiefsee drauf), habe ich sehr zu ihrer Verwunderung laut aufgeschrien, die Seite hastig weitergeblättert und gegen die Tränen gekämpft. Später habe ich dann Lexika oder Bilderbücher immer so vorsichtig umgeblättert, wenn ich bei Kapiteln wie "Im Meer" angekommen war. Und als ich später mal mit 12 einen Satellitenempfang für meinen Fernseher bekommen habe, habe ich Filme, in denen Meeresmonstern vorkommen, gemieden wie die Pest. In den nächsten Jahren besserte sich das irgendwie und ich schaute mir auch Horrorfilme dieser Art an, aber nur, wenn ich mich genügend psychisch vorbereitet habe. Und heute? Ich kann nicht sagen, dass es mir was ausmacht, wenn man mir plötzlich ohne Warnung ein Bild von einem Tintenfisch zeigt, aber einen Panikanfall würde ich schon nicht bekommen. Eigentlich müsste ich mich ja schon irgendwie bei Orakel-Paul bedanken, denn letztes Jahr wurde er einen ganzen Sommer lang in allen Medien gezeigt, denen ich nicht entgehen konnte. Hat mich also quasi "immun" gemacht. ^^"

(Übrigens war ich vor zwei Jahren mal im SeaLifeCenter in München. Als ich dann an einem Aquarium vorbeikam, in dem ein Oktopus leben soll, musste ich mich trotz aller psychischer Vorbereitung im Voraus doch heimlich dem Tier danken, dass er sich in seiner Höhle verkrochen hat und so nicht zu sehen war... XD)

1 Kommentar:

  1. Als Kind brauchte ich gar keine Horrorfilme, um micht zu schocken. Ich hatte vor so vielem Angst! Allein, wenn meine Oma mir Rotkäppchen vorlas, konnte ich nicht schlafen. Nicht etwa von wegen böser Wolf, sondern weil der bei lebendigem Leib aufgeschlitzt wurde und ich Vorstellung fand ich grausam. Oder das Buch Struwwelpeter. Boah, die Storys darin.. Hölle. Weil mich das damals total peinigte, weiß ich heute: Hätte ich Kinder, würden die sowas nicht in zu jungen Jahren von mir bekommen.
    Was Horrorfilme betrifft.. hab ich als Kind nicht geguckt, aber es reichte schon, einmal nachts ins Wohnzimmer zu gehen (man musste da durch, um in die KÜche zu kommen), weil ich nicht schlafen konnte und was zu trinken wollte. Da saß mein Vater, schaute fern und ich sah kurz zum TV, wo eine Frau erst einen Kerl in einem Auto küsste, dann spitze Zähne bekam und ihn auffraß. Also danach konnte ich dann auch nicht mehr schlafen...

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